Was haben die Flossenbürger Berge und der Klimawandel miteinander zu tun? Zunächst einmal nicht allzu viel. In den Prognosen der Klimaforscher ist unsere Region recht privilegiert, denn es ändern sich die Rahmenbedingungen nur moderat. Etwas trockenere, wärmere Winter und etwas feuchtere Sommer sind prognostiziert. Moderate Prognose? Erleben wir nicht bereits seit mehreren Jahren eine entsprechende Tendenz? Was ist denn dann erst an Orten los, wo sich viel ändert?
Ich bin seit ziemlich genau 20 Jahren in der Oberpfalz ansässig und am klimatisch deutlich wärmeren Niederrhein ausgewachsen (langjähriges Januarmittel 5°C höher) – langsam aber sicher fühle ich mich in den letzten Jahren wie in meiner Jugend. Besonders im Winter waren damals die Tage, an denen man Schlitten fahren konnte rar und kostbar – wie heutzutage in den Flossenbürger Bergen. Einzige Ausnahme: rund um die Silberhütte ist es aufgrund der Höhenlage häufig noch gefroren, aber auch hier ist der Schnee weniger geworden. Daher sind am Fahrenberg bereits Schneekanonen montiert bzw. im Betrieb und im SLZ Silberhütte ist es wohl im kommenden Jahr so weit. Der Wurmstein bleibt wohl aus Umweltschutzgründen ohne Schneekanone – eine Katastrophe für die Betreiber.
Eine Katastrophe? Sicherlich, wenn man die Anzahl der Betriebstage heute nimmt. Bedenkt man aber, dass wir im Bereich des Klimawandels erst am Anfang einer Entwicklung stehen, deren Tendenz, aber nicht deren Ende absehbar ist, darf wohl eine Frage erlaubt sein. Wird sich die Investition in die neue Technik überhaupt noch rentieren? Befinden wir uns nicht vielmehr in einer Übergangsphase, nach deren Ende auch Schneekanonen das heißgeliebte Weiß nicht mehr dauerhaft hervorzaubern. Die Klimapronose sagt dies genau so voraus und gibt auch im Bereich Tourismus Handlungsempfehlungen zum Thema Schneekanonen.
Ist der erhebliche Energieaufwand (25000 € je ha) für diese Geräte überhaupt zu vertreten und sicherlich nicht zuletzt, sollen wir uns für eine kurzfristige Nutzung dieser Anlagen die zweifelsfrei schädlichen Auswirkungen auf unsere Natur antun? Ich bin hier durchaus gespaltener Ansicht. Auf der einen Seite ist eine Umweltveränderung, wie man sie in den Alpen sieht (übrigens, von den zZt. 26 schneesicheren Skigebieten i Deutschland werden mittelfristig noch 3 übrig bleiben) nicht akzeptabel. Betrachtet man hingegen die gesamte Umweltbilanz, so ist es sicher besser die Energie in die Schneekanonen zu stecken, denn in individuelle Alpen- oder auch Arbertrips. Oder wäre es vielleicht besser Outdoor-Roll-Langlaufski zu verwenden?
Ich bin mir nicht schlüssig über die Antwort zur Umweltfrage, aber ich habe erhebliche Zweifel am wirtschaftlichen Sinn. Dabei ist der Klimawandel auch im Sommer deutlich zu sehen. Betrachten wird doch nur die Einwanderung bislang nicht oder nicht so stark oder gar nicht auftretender, eher Wärme liebender Arten Arten. Das verstärkte Auftreten von vormals nur geringen Populationen spanischer (Weg-) Nacktschnecken (da verrät schon der Name etwas) – das Auftreten von ehe dem nicht vorhandenen und eher in warmen Regionen auftretenden Taubenschwänzchen und das wachsende Verbreitungsgebiet spezieller Zeckenarten sprechen hier eine deutliche Sprache für jeden, der mit offenen Augen in unserer Region lebt. Oder glauben Sie ernsthaft, dass der Pfirsichbaum der Familie Garreis vor 50 Jahren gewachsen wäre?
Die verregneten Hochsommer sind ebenfalls augenfällig ud keine Eintagsfliegen. In den letzten Jahren war es immer so, dass das Wetter im Frühjahr schon recht heiß war, Juli und August aber regelmäßig in Feuchtigkeit und Nässe versanken um genau zum GIS-Camp Ende August wieder besser zu werden. Jedes Jahr bibbere ich, ob wir überhaupt starten können. Denn bei ständigem Regen sorge ich mich um unsere Aufgaben, die ja doch in Mehrzahl draußen zu finden sind. Bisher ist immer alles gut gegangen. In diesem Jahr findet das GIS-Camp zum 5. Male statt.
Der Klimawandel ist dabei nicht nur negativ. Höhere Temperaturen senken beispielsweise die Heizkosten, ein in den Flossenbürger Bergen nicht zu vernachlässigender Faktor. Deshalb – der Wandel kündigt sich an – wir müssen darauf reagieren – besonnen, in aller Ruhe und ausgewogen, die sich bietenden Chancen nutzen, nicht konservieren, sondrn entwickeln. Es hat unserer Region immer gut zu Gesicht gestanden, nicht jedem Trend sofort hinterher zu rennen. Bewahren wir uns dies und versuchen wir doch den Rahm abzuschöpfen. Es ist möglich, wenn man sich nicht in der Bewahrung von Zuständen verzettelt.
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